April 2017- European Value Strategie: Ausblick

210417 Market Commentary

April 2017- European Value Strategie: Ausblick

Marktumfeld & Ausblick

 
Das politische Risiko: Ein gutes Beispiel dafür, dass man häufig vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht
  In der Debatte um die Aussichten für den europäischen Aktienmarkt wurde die Aufmerksamkeit der Anleger in letzter Zeit häufig durch die anhaltenden politischen Spannungen in Europa und den Siegeszug des Populismus abgelenkt. Dabei hat das Jahr 2016 just gezeigt, wie schwierig es vor allem für Asset-Manager ist, nicht nur den Ausgang politischer Ereignisse, sondern auch deren potenzielle Konsequenzen für die Finanzmärkte korrekt vorherzusagen. In mancherlei Hinsicht kann man eine interessante Parallele zur Welt des Fußballs und zur Rolle des Torhüters ziehen: Bei einem Elfmeter hat der Torhüter lediglich 2 (3) Optionen – er kann in eine Ecke – die linke oder die rechte – hechten oder in der Mitte stehen bleiben. Selbst einem Spitzen-Torhüter bringt das Training nicht viel. Auch wenn er hunderte von Elfmetern im Video studiert hat (vergleichbar mit der Erfahrung eines Portfoliomanagers), weiß er noch immer nicht, in welche Ecke der Schütze im konkreten Fall zielen wird – beim Elfmeter geht es um „Entweder - Oder“. Psychologie ist wichtig, aber nicht unbedingt hilfreich, vor allem wenn man einem Profi gegenüber steht, der ein Pokerface aufsetzt. Ausgehend von dieser Beobachtung gelangen wir zu der Schlussfolgerung, dass eine eingehende Analyse solch binärer Ereignisse in einem hoch komplexen politischen System nur von sehr begrenztem Nutzen ist. Gleiches gilt für öffentliche Meinungsumfragen, die, wie konkrete Ereignisse – z.B. der Brexit und die US-Präsidentschaftswahlen – gezeigt haben, die in der Bevölkerung vorhandenen populistischen Strömungen nicht immer exakt widerspiegeln. Im Falle des Brexit vermittelten die Umfragen den Anlegern sogar ein falsches Gefühl der Sicherheit. Daher sollten erfahrene Portfoliomanager unserer Meinung nach nicht viel Zeit auf die Analyse binärer politischer Ereignisse verwenden, denn dabei können sie wichtige Trends an den Märkten und in ihren Portfolios aus den Augen verlieren. Um die Parallele zum Fußball wieder aufzugreifen, ist es für einen Torhüter nicht sinnvoll, sich während des gesamten Spiels ausschließlich auf das Elfmeterschiessen – d.h. Risiken, die sich seiner Kontrolle entziehen – zu konzentrieren und dabei gleichzeitig größere Risiken zu unterschätzen, die er mit sinnvollen Aktionen seinerseits in den Griff bekommen kann. Europäische Aktienmanager sehen sich derzeit mit einer ähnlichen Situation konfrontiert. So überlagern politische Spannungen und die Angst vor einem Durchmarsch der Populisten sowie dessen potenzielle Konsequenzen für die Europäische Union andere Faktoren, die sich auf mittlere bis lange Sicht erheblich auf die europäischen Aktienmärkte auswirken können. Diese weit verbreitete Fixierung der Marktteilnehmer auf Ereignisse, die sich ihrer Kontrolle entziehen, bietet Investoren mit einem längeren Anlagehorizont durchaus Anlagechancen.  
Fundamental gesehen sind europäische Aktien ein „Must Have“
  Da es uns nicht möglich ist, den Ausgang der nächsten Wahlen zu beeinflussen, sollten wir zumindest unsere Perspektive erweitern und die aktuellen Trends an den europäischen Aktienmärkten erkennen und nutzen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse stützen in vielerlei Hinsicht unsere langfristige positive Beurteilung. Zunächst einmal sind die Bewertungen am europäischen Aktienmarkt sowohl absolut als auch relativ gesehen nach wie vor überzeugend. Im vergangenen Jahrzehnt lag der europäische Aktienmarkt stets deutlich im Rückstand auf den US-Markt, so dass europäische Aktien gegenüber ihren US-Pendants hohe Abschläge aufweisen: Aktien der Eurozone handeln derzeit mit einem historisch hohen Abschlag von 50% auf ihr Kurs-Buchwert-Verhältnis, wobei dies für sämtliche Sektoren gilt, während die Dividendenrendite europäischer Unternehmen um 50% höher ist. Zweitens erkennen wir eine allmähliche, aber spürbare Verbesserung der Wirtschaftslage in Europa: Anziehen des Wachstums, insbesondere in Deutschland und Frankreich, Nachlassen des Deflationsdrucks, möglicher Anstieg der Unternehmensgewinne, Verbesserungen beim Geschäftsklima und beim Konsumentenvertrauen sowie der nach wie vor schwache EUR. Die Prognosen für das globale BIP-Wachstum liegen für die kommenden 3 Jahre in der Größenordnung von 3% bis 4% (Daten des IWF), wobei wir europäische Aktien als Hauptnutznießer erachten, weil: 1. Europa mit niedrigeren Bewertungen als der US-Markt in den Aufschwung geht, 2. Europa nach wie vor hohe Kapazitätsüberhänge (niedrige Kapazitätsauslastung und hohe Arbeitslosenquoten) aufweist, so dass die europäischen Unternehmen einen starken Puffer für solide Gewinnzuwächse besitzen. De facto waren Gewinnzuwächse in den vergangenen zehn Jahren in Europa quasi inexistent, wobei das Jahr 2016 in dieser Hinsicht keine Ausnahme bildete. Allerdings sind konkrete Signale vorhanden, die für 2017 auf einen Paradigmenwechsel hindeuten, da die Gewinnprognosen nicht nur für den Gesamtmarkt, sondern auch für sämtliche Einzelsektoren in den ersten Monaten nach oben korrigiert wurden. Es gibt gute Gründe  für die Annahme, dass der MSCI Europe-Index das Jahr 2017 um 10% zulegen kann. Wichtiger ist noch, dass die treibende Kraft hinter diesem Aufwärtstrend nicht nur die Rückkehr zur Normalität angesichts des übertrieben skeptischen Konsenses steht, sondern die erneute Dynamik in der Geschäftstätigkeit der europäischen Unternehmen ist. Dieser wirtschaftliche Aufschwung ist nicht nur theoretischer Natur, sondern in den Ergebnissen und Statements der von uns analysierten Unternehmen erkennbar. Dabei zeichnen sich mehrere Trends ab: Anzeichen für eine Verbesserung der operativen Bedingungen, solide Bilanzen, optimistischere Prognosen des Managements, Zunahme der M&A-Aktivität (wofür Unilever und Aberdeen AM gute Beispiele sind) etc.  
Positives Momentum im Gange…
  Auch wenn unser Investmentansatz auf Fundamentaldaten und langfristige Perspektiven fokussiert ist, können wir die möglichen Auswirkungen einer Veränderung des Anlegerverhaltens an den Finanzmärkten nicht ignorieren. Europäische Aktien wurden von Anlegern lange Zeit zu sehr verschmäht, so dass die Portfolios der meisten globalen Investoren mittlerweile stark untergewichtet sind. Diese Investitionsrückstände sind vor allem den Unsicherheitsfaktoren zuzuschreiben, die das politische Umfeld in Europa umgeben. Eine rasche Trendwende ist nach den französischen Präsidentschaftswahlen, die den europäischen Aktien starke Impulse verleihen dürften, zu erwarten. Je früher die Anleger wieder in den europäischen Aktienmarkt einsteigen, desto höher dürften ihre Kursgewinne sein, vorbehaltlich einer selektiven Einzeltitelauswahl!  
Was macht den Unterschied aus?
  Um auf unsere Fußball-Metapher zurückzukommen: Während die überwältigende Mehrheit der Anleger teilweise noch immer versucht, den einen Elfmeter optimal zu parieren und sich, geblendet von kurzfristigen Ängsten, von den europäischen Aktienmärkten fernhält, legen wir den Fokus auf die Verbesserung der offensiven Qualitäten unserer Mannschaft und rüsten unser Portfolio für die Zukunft. Wir finden das Spielfeld gut vorbereitet, aber der Wettbewerb lässt sich noch immer von den politischen Störgeräuschen ablenken. Auch in schwierigen Jahren für europäische Aktien haben wir an unserer langfristig orientierten Anlagestrategie festgehalten und den Schwerpunkt auf die Identifikation hochwertiger Unternehmen mit unterbewerteter Ertragskraft gelegt. Dabei werden wir gewöhnlich in einer Vielzahl von Sektoren fündig, wie z.B. Industrie, zyklische und nicht-zyklische Konsumgüter sowie Pharmazeutik. Denn wir sind von dieser Allokation und deren Mehrwert berzeugt, da wir mit diesen Trends bereits einen Riesenschritt voraus sind.